2021.10.27

Mit DORI zur richtigen Lösung

Uri Guterman, Head of Product & Marketing bei Hanwha Techwin Europe, ist überzeugt vom DORI-Standard als Basis für die Entwicklung eines Videoüberwachungssystems. Hier erklärt er, wie dieser Standard sicherstellen kann, dass die spezifizierten Kameras die Erwartungen des Endbenutzers kosteneffizient erfüllen.


Die Bildqualität aktueller Super-High-Definition-Videoüberwachungskameras, ist häufig hervorragend und erlaubt den Nutzern, Objekte und Personen im Sichtfeld gestochen scharf zu erkennen. Die Auflösungsfähigkeiten von 4K- und 8K-Kameras ermöglichen es sogar, digital heranzuzoomen, um ein nicht verpixeltes Bild nur eines sehr kleinen Szeneausschnitts zu betrachten.

Der Einsatz dieser ultrahochauflösenden Kameras hat jedoch seinen Preis, da Bilder in dieser Qualität viel Speichervolumen benötigen und zudem viel Bandbreite bei der Übertragung verbrauchen.

Manche Hersteller wie Hanwha Techwin haben daher eigene Komprimierungstechnologien entwickelt, die  in Verbindung mit der H.265-Komprimierung beispielsweise den Bandbreiten- und Speicherbedarf um bis zu 80 % reduzieren. Trotzdem sollten sich Systementwickler immer die Frage stellen, ob es mit Blick auf die höheren Anfangskosten sowie die laufenden Netzwerk- und Speicheranforderungen für ihre Kunden wirklich immer notwendig ist, die höchstauflösende Kamera zu spezifizieren.

DORI hilft Ihnen, die ideale Kamera zu finden

Um das beste Kameramodell für den jeweiligen Standort und die jeweilige Zielsetzung zu definieren, ist es wie in der Redewendung: Die Systementwickler müssen für „jeden Topf einen passenden Deckel finden“. Das System muss dabei natürlich die Ergebnisse der Risikobewertung widerspiegeln und die betrieblichen Anforderungen des Endbenutzers berücksichtigen.  So kann es beispielsweise erforderlich sein, qualitativ hochwertige, beweiskräftige Bilder zu erfassen, um Personen zu identifizieren oder einen Einbruchsalarm zu überprüfen.

Viele Systemintegratoren sind heute mit DORI vertraut. Dabei handelt es sich um die internationale Norm IEC EN62676-4, die zeitsparend Hinweise liefert, welche Kameras für eine spezifische Anforderung ausgewählt werden sollten. Für alle, die noch nicht mit der Norm nicht vertraut sind, hier ein kurzer Überblick:

  • Detection (Deutsch: Erkennung): Die Bildqualität ermöglicht es dem Benutzer festzustellen, ob eine Person oder ein Fahrzeug vor Ort sind
  • Observation (Deutsch: Beobachtung): Die aufgenommenen Bilder geben Aufschluss über charakteristische Details einer Person, wie z. B. ihre Kleidung.
  • Recognition (Deutsch: Erkennung):  Die Qualität der Bilder ermöglicht es dem Nutzen mit hoher Wahrscheinlichkeit, ein Objekt oder Ereignis wiederzuerkennen, das er zuvor gesehen hat, z. B. eine Person, ein Fahrzeug oder ein Feuer.
  • Identification (Deutsch: Identifizierung): Die Auflösung und die Qualität der Bilder ermöglichen es, eine Person zweifelsfrei zu identifizieren.

Inwieweit eine Kamera in der Lage ist, diese von DORI definierten Ziele zu erreichen, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, z. B. der Auflösung, der Beleuchtung und dem Ausmaß der Bewegung innerhalb der Szene.

Gerade im Bereich „Beobachtung" ist zum Beispiel anzumerken, dass sequenzielle Bilder mit niedriger Auflösung dem menschlichen Gehirn ebenso viele Details liefern können wie hochauflösende Standbilder. So lässt sich die Bewegung eines Fahrzeugs auch so deutlich unterscheiden von der Bewegung einer Person, die zu Fuß geht.

Als Beispiel sollte eine 4-Megapixel-Kamera bei Tageslicht folgende Werte liefern:

Objektiv 2.88mm Linse 3.6mm Linse 6mm Linse
“Detection” 43 Meter 80 Meter 120 Meter
“Observation” 17 Meter 32 Meter 48 Meter
“Recognition” 9 Meter 16 Meter 24 Meter
“Identification” 4 Meter 8 Meter 12 Meter

Die maximale Entfernung zwischen einer Kamera und einem Objekt (siehe Tabelle) hängt aber auch von den Lichtverhältnissen, dem Komprimierungsformat, den Kamerastandorten und weiteren Faktoren ab.

Die Empfindlichkeit der jeweils verwendeten Kamerasensoren ist ebenfalls unterschiedlich. Mit der Online-Toolbox Plus von Hanwha Techwin können Systemintegratoren die Spezifikationen der Wisenet-Kameras übersichtlich vergleichen und daraus eine Liste der für ein bestimmtes Projekt erforderlichen Produkte zusammenstellen. Auch eine Zusammenfassung der geschätzten Bandbreiten- und Speicheranforderungen für das Projekt lässt sich hier einfach erstellen.

Mit der Verwendung von DORI als Leitfaden für die Planung einer neuen Videoüberwachungslösung können Sie das richtige Gerät für die richtige Anwendung spezifizieren und verschwenden keine Budgets. Aber genauso wichtig ist der umgekehrte Fall:  DORI verhindert auch, dass sie zu leistungsschwache Kameras verwenden, die sich in der täglichen Praxis als ungeeignet für eine Anforderung herausstellen.

Bitte bedenken Sie aber auch: DORI ist ein Leitfaden, der sicherstellt, dass Sie eine grundsätzlich geeignete Kamera auswählen. Der Standard allein wählt aber nicht die perfekte Kamera für Sie aus. Hier müssen auch andere Anforderungen berücksichtigt werden, z.B. ob die Kamera über eine eingebaute IR-Beleuchtung oder eine gute WDR-Funktionalität verfügen muss, weil sie auf ein Außenfenster gerichtet ist und mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen zurechtkommen muss.

Grundsätzlich empfehlen wir daher immer, mit Herstellern zusammenzuarbeiten, denen Sie vertrauen, und die Ihre Auswahl der Kameras nochmals aus fachlicher Sicht überprüfen.

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